1918 - 1920 - 7. und 9. Klasse

Die deutsch-dänische Grenze von 1920

Zuletzt aktualisiert um:
Bearbeitet von Grenzgenial
Deutsche Demonstration in Apenrade Foto: Deutsches Museum Nordschleswig

Die deutsch-dänische Grenze von 1920

 

Das Ende des 1. Weltkrieges und seine Folgen

Das Deutsche Reich und seine Verbündeten hatten im November 1918 den Ersten Weltkrieg verloren. Dänemark war nicht am Krieg beteiligt gewesen und erhielt nun die Möglichkeit einer Grenzkorrektur.

Zunächst forderte Dänemark das ganze Herzogtum Schleswig bis zur Eider, aber der Redakteur H.P. Hanssen, der lange als Abgeordneter im Deutschen Reichstag vertreten war, war dagegen. Er setzte sich für eine Grenzlinie ein, die für Dänemark nur einen vertretbaren deutschen Bevölkerungsteil bedeutete. In der Apenrader Erklärung vom 17. November 1918 brachten Hanssen und seine Anhänger die Idee einer Volksabstimmung zur Grenzziehung zum Ausdruck.

Demonstration zur Volksabstimmung 1920 in Apenrade Foto: Deutsches Museum Sonderburg

Die Regeln für die Volksabstimmung

Im Zuge der Friedensverhandlungen nach dem Ersten Weltkrieg wurde in den Vertrag von Versailles geschrieben, dass die deutsch-dänische Grenze mit Hilfe einer Volksabstimmung neu gezogen werden sollte. Dazu gab es zwei Abstimmungszonen: Eine im Norden und eine im Süden. Die nördliche Zone umfasste die Kreise Hadersleben, Apenrade und Sonderburg, sowie Tondern und den nördlichen Teil des Kreises und einige Gemeinden nördlich von Flensburg, darunter Pattburg und Bau. Hier sollte das Gesamtergebnis der Wahl zur Entscheidungsfindung dienen. Die südliche Zone umfasste den Südteil des Kreises Tondern, einzelne Gemeinden im Kreis Husum, den Westen des Kreises Flensburg und die Stadt Flensburg. Hier sollte gemeindeweise abgestimmt werden.  

Wahlberechtigt waren alle Volljährigen mit Wohnsitz und Geburtsort im Gebiet. Die endgültige Entscheidung oblag jedoch der internationalen Kommission, die während der Abstimmungszeit die Regierungsgeschäfte in den beiden Zonen übernahm. Die Kommissare dieses Gremiums (CIS) kamen von den Siegermächten Großbritannien und Frankreich, sowie den neutralen Staaten Norwegen und Schweden.

Wahlplakate zur Volksabstimmung 1920 Foto: Deutsches Museum Sonderburg

Der Wahlkampf um die Grenze

Nachdem sich das deutsche Militär aus dem Abstimmungsgebiet zurückgezogen hatte, konnte der Wahlkampf beginnen. Der Wahlkampf blieb überwiegend friedlich, obwohl beide Seiten nicht gerade zimperlich miteinander umgingen. Es gab viele Versammlungen, Reden, Zeitungsbeiträge und vor allen Dingen Plakate und das Hissen der eigenen Flagge.

 

Die Ergebnisse der Abstimmung

Am 10. Februar 1920 stimmten in der ersten Zone 75% für Dänemark und 25% für Deutschland. In einigen Kreisstädten (Tondern, Apenrade, Sonderburg) gab es deutliche deutsche Mehrheiten, aber in weiten ländlicheren Gebieten gab es auch deutliche dänische Mehrheiten.

In der zweiten Zone wurde am 14. März 1920 abgestimmt. Dabei gab es trotz weniger, kleineren Ausnahmen deutliche deutsche Mehrheiten, wobei in Flensburg knapp 25% dänisch gestimmt hatten. Mit diesen Ergebnissen wurde die vor einigen Jahren von H. V. Clausen vorgeschlagene Linie, die sogenannte Clausen-Linie schließlich zur Richtschnur für die kommende Grenzziehung. 

 

Übersichtskarte über die Resultate der Volksabstimmung 1920 Foto: Deutsches Museum Sonderburg

Die Grenzziehung und ihre Folgen

Nachdem die Kommission die neue deutsch-dänische Grenze den Abstimmungsergebnissen entsprechend festgelegt hatte, zog sie sich zurück und überließ Nordschleswig ab dem 15. Juni 1920 dem Königreich Dänemark und Mittelschleswig der deutschen Souveränität. Auf beiden Seiten der Grenzen tat sich jedoch Unmut breit. Viele Deutsche empfanden die Grenze als ungerecht.

Notgeld mit der Tiden-Linje als Motiv Foto: Deutsches Museum Sonderburg

Ein Kompromissvorschlag von Johannes Tiedje, der auf beiden Seiten seiner Grenze gleichgroße Minderheiten hätte entstehen lassen, fand kein Gehör. Ebenso wenig Gehör fanden aber auch der dänische König Christian X. und konservative und liberale Kräfte, die Flensburg oder gar ganz Südschleswig zu Dänemark zählen wollten. Beide Seiten waren nun damit beschäftigt die praktischen Probleme und die Folgen der Grenzziehung in den Griff zu bekommen.

Als ein Beispiel der unmittelbaren Folgen der Grenzziehung, kannst du hier über die sogenannten Abbauklassen lesen. 

Werbefilm der Stimmberechtigte, aber nicht in den Abstimmungsgebieten wohnende, aufforderte zur Wahl zu gehen.
Foto: BDN